Kurz zusammengefasst: In ersten klinischen Studien wurde untersucht, welche Bedeutung CBD im Zusammenhang mit Schizophrenie haben könnte. Besondere Aufmerksamkeit erhielt eine kleine Studie, in der CBD unter stationären Bedingungen mit einem etablierten Antipsychotikum verglichen wurde. Die Ergebnisse stießen in der wissenschaftlichen Fachwelt auf Interesse, sind bislang jedoch nur vorläufig. Derzeit liegen keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür vor, CBD als Ersatz für eine psychiatrische Behandlung anzusehen. Menschen mit Schizophrenie sollten eine ärztlich verordnete Therapie niemals ohne vorherige Rücksprache mit ihrem behandelnden Psychiater verändern oder absetzen.
Menschen mit Schizophrenie erleben die Realität häufig auf eine stark veränderte Weise. Es kann ihnen schwerfallen, ihre Gedanken zu ordnen, sich verständlich auszudrücken oder sich so zu verhalten, wie sie es normalerweise tun würden.
Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die sich häufig erstmals zwischen dem 16. und 30. Lebensjahr bemerkbar macht. Sie kann unterschiedlich verlaufen und sowohl für die Betroffenen als auch für Angehörige und andere nahestehende Personen sehr belastend sein. Menschen mit Schizophrenie können Schwierigkeiten haben, ihre Gedanken zu strukturieren, Gedächtnislücken erleben oder Halluzinationen wahrnehmen. Bei Familienmitgliedern und Freunden führt dies häufig zu großer Sorge und einem Gefühl der Hilflosigkeit.
An der Entstehung einer Schizophrenie können verschiedene Faktoren beteiligt sein. Dazu zählen genetische Einflüsse, belastende Umwelt- und Lebensbedingungen sowie Unterschiede in bestimmten Bereichen des Gehirns und in der Vernetzung dieser Bereiche.
Aufgrund der Schwere und Komplexität der Erkrankung untersucht die Wissenschaft weiterhin neue Ansätze, die bestehende Behandlungen ergänzen und möglicherweise zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen beitragen könnten.
In den vergangenen Jahren ist dabei auch CBD, ein Wirkstoff der Hanfpflanze, stärker in den wissenschaftlichen Fokus gerückt. Einige Forschungsgruppen haben untersucht, in welchem Zusammenhang CBD mit bestimmten Aspekten der psychischen Gesundheit stehen könnte.
Mit diesem Thema beschäftigen wir uns auch in folgendem Artikel:
Ist CBD-Öl gut für die Psyche?
In diesem Artikel stellen wir einige der am häufigsten zitierten Studien zu CBD und Schizophrenie vor. Dabei erklären wir, was die Forschenden tatsächlich untersucht haben und welche Grenzen bei der Einordnung der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen.
Was ist Schizophrenie und welche Symptome können auftreten?

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die häufig mit psychotischen Episoden einhergeht. Während einer solchen Episode kann der Bezug zur Realität erheblich beeinträchtigt sein. Betroffene können verzerrte Gedanken und Wahrnehmungen erleben, vertraute Menschen zeitweise nicht erkennen oder Personen und Ereignisse für real halten, die tatsächlich nicht vorhanden sind. Eine frühzeitige Diagnose und die Betreuung durch psychiatrische oder psychotherapeutische Fachkräfte können dabei helfen, die Auswirkungen der Erkrankung auf den Alltag besser zu bewältigen.
Die Symptome einer Schizophrenie werden üblicherweise in verschiedene Gruppen eingeteilt:
- psychotische Symptome wie Halluzinationen, desorganisiertes Denken und wahnhafte Überzeugungen;
- kognitive Symptome wie Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, der Konzentration und dem Gedächtnis;
- Negativsymptome wie nachlassendes Interesse an alltäglichen Aktivitäten, ein verminderter Gefühlsausdruck und ein reduzierter Antrieb.
Schizophrenie muss von anderen psychischen Erkrankungen abgegrenzt werden, deren Symptome teilweise ähnlich erscheinen können, beispielsweise von einer Depression oder einer dissoziativen Identitätsstörung.
Eine verlässliche Diagnose kann ausschließlich von entsprechend qualifizierten Fachärzten oder Psychotherapeuten gestellt werden.
Im Folgenden sehen wir uns genauer an, zu welchen Ergebnissen die Studien gekommen sind, die den möglichen Zusammenhang zwischen CBD und Schizophrenie untersucht haben.
Welche Studien gibt es zu CBD und Schizophrenie?
Schizophrenie wird in der Regel mit antipsychotischen Medikamenten behandelt. Diese müssen entsprechend den Anweisungen des behandelnden Facharztes eingenommen werden. Je nach Präparat und Person können Nebenwirkungen wie innere Unruhe, Schläfrigkeit oder eine Gewichtszunahme auftreten.
Auch deshalb untersucht die Forschung ergänzende Ansätze, die künftig möglicherweise zusätzlich zu den bestehenden Therapien eingesetzt werden könnten.
CBD gehört zu den Substanzen, mit denen sich einige Forschungsgruppen in diesem Zusammenhang beschäftigen. Dabei muss von Anfang an berücksichtigt werden, dass es sich überwiegend um vorläufige Studien mit kleinen Teilnehmergruppen und unter streng kontrollierten klinischen Bedingungen handelt. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass CBD eine psychiatrische Behandlung ersetzen kann.
1. Eine klinische Studie verglich CBD mit einem etablierten Antipsychotikum
Eine der am häufigsten zitierten Studien zu diesem Thema wurde von einer Forschungsgruppe unter der Leitung von F. Markus Leweke von der Universität Heidelberg durchgeführt. Beteiligt war außerdem Daniele Piomelli, der heute Direktor des Center for the Study of Cannabis an der University of California, Irvine, ist.
Laut PubMed handelte es sich um eine randomisierte, doppelblinde klinische Phase-II-Studie mit stationär behandelten Patienten, die aufgrund einer akuten Schizophrenie-Episode in eine Klinik aufgenommen worden waren. CBD wurde dabei mit Amisulprid verglichen, einem seit vielen Jahren eingesetzten Antipsychotikum. Im Verlauf der Untersuchung wurden in beiden Gruppen Veränderungen bei den bewerteten klinischen Parametern festgestellt. In der CBD-Gruppe traten einige der untersuchten unerwünschten Wirkungen seltener auf. Die beobachteten Veränderungen standen außerdem mit einem Anstieg der Anandamidkonzentration im Blutserum in Zusammenhang. Anandamid ist ein körpereigener Botenstoff [1].
Dabei muss ein wesentlicher Aspekt berücksichtigt werden:
Die Studie wurde in einer Klinik durchgeführt. Die Patienten wurden von einem medizinischen Team betreut und erhielten eine genau kontrollierte Dosierung eines pharmazeutisch hergestellten CBD-Präparats. Diese Bedingungen unterscheiden sich deutlich von der selbstständigen Einnahme eines handelsüblichen CBD-Öls.
Die Ergebnisse stießen in der wissenschaftlichen Fachwelt auf Interesse. Sie stammen jedoch aus einer einzelnen Studie mit einer begrenzten Teilnehmerzahl und müssen durch größere und unabhängige Untersuchungen bestätigt werden.
2. Anandamid bei Schizophrenie
Der mögliche biologische Mechanismus hinter diesen Ergebnissen war bereits in einer früheren Studie untersucht worden. Eine Forschungsgruppe um Andrea Giuffrida, Daniele Piomelli und F. Markus Leweke bestimmte dabei die Konzentration von Anandamid in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von Patienten mit Schizophrenie.
Laut PubMed wurden bei Patienten mit einer ersten Schizophrenie-Episode, die zuvor noch nie mit Antipsychotika behandelt worden waren, bis zu achtmal höhere Anandamidwerte festgestellt als bei einer gesunden Kontrollgruppe. Darüber hinaus zeigte sich ein umgekehrter Zusammenhang zwischen der Anandamidkonzentration und der Stärke der psychotischen Symptome: Höhere Anandamidwerte waren in der Studie mit weniger stark ausgeprägten Symptomen verbunden [2].
Die Autoren interpretierten dieses Ergebnis als möglichen körpereigenen Ausgleichsmechanismus im Zusammenhang mit der Erkrankung. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Einnahme von CBD automatisch eine vergleichbare Wirkung hervorruft. Die Untersuchung befasste sich mit einem biologischen Zusammenhang und war keine klinische Studie zur Wirksamkeit von CBD.
3. CBD und Gehirnaktivität bei Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko
Eine Forschungsgruppe des King’s College London unter der Leitung von Professor Sagnik Bhattacharyya nutzte die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), um die Gehirnaktivität von Menschen mit einem klinisch erhöhten Psychoserisiko zu untersuchen. Bei diesen Personen lag noch keine gesicherte Schizophrenie-Diagnose vor.
Laut PubMed wurde die Studie 2018 in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht. Sie umfasste 33 Personen mit einem klinisch erhöhten Psychoserisiko, die zuvor noch nie mit Antipsychotika behandelt worden waren. Die Teilnehmer erhielten einmalig entweder 600 mg CBD zum Einnehmen oder ein Placebo. Zusätzlich wurde eine gesunde Kontrollgruppe untersucht. Während einer Aufgabe zum verbalen Gedächtnis lag die Gehirnaktivität der Personen aus der CBD-Gruppe in bestimmten, mit Psychosen in Verbindung gebrachten Hirnregionen zwischen den Werten der Placebogruppe und denen der gesunden Kontrollgruppe [3].
Auch bei dieser Untersuchung ist eine genaue Einordnung erforderlich. Die Forschenden bewerteten keine Verbesserung klinischer Symptome, sondern bestimmte Veränderungen der mithilfe bildgebender Verfahren gemessenen Gehirnaktivität. Die Studie bezog sich auf eine einzelne Risikogruppe und auf eine einmalige Gabe von CBD. Auch die Autoren selbst sprechen von einem möglichen Mechanismus, der in weiteren Studien genauer untersucht werden müsse, und nicht von einer bereits nachgewiesenen therapeutischen Wirkung.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel:
CBD und seine Wirkung auf das Gehirn
4. Cannabis und kognitive Leistungsfähigkeit bei Schizophrenie
Bei diesem Thema ist eine klare Unterscheidung notwendig, da die Ergebnisse leicht missverstanden werden können. Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Murat Yücel führte eine Metaanalyse sowie eine Studie mit Schizophreniepatienten durch. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis – also der gesamten Pflanze einschließlich THC und nicht von isoliertem CBD – und der kognitiven Leistungsfähigkeit.
Laut PubMed zeigte die im Schizophrenia Bulletin veröffentlichte Untersuchung, dass Patienten mit Schizophrenie und früherer Cannabiskonsumerfahrung bei einigen neuropsychologischen Tests bessere Ergebnisse erzielten als Patienten, die noch nie Cannabis konsumiert hatten [4].
Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass dieses Ergebnis wahrscheinlich auf Unterschiede zwischen bestimmten Patientengruppen zurückzuführen ist. Menschen, die bereits in jungen Jahren Cannabis konsumieren, könnten schon vor dem Ausbruch der Erkrankung andere neurokognitive Voraussetzungen aufweisen. Die Ergebnisse belegen daher keinen unmittelbaren Nutzen von Cannabis. Es handelt sich um einen statistischen Zusammenhang und nicht um den Nachweis einer Ursache-Wirkungs-Beziehung. Außerdem bezog sich die Untersuchung auf Cannabis als Ganzes und nicht speziell auf CBD. Cannabiskonsum wird mit einem erhöhten Psychoserisiko in Verbindung gebracht, insbesondere bei entsprechend veranlagten Personen. Die Studie darf deshalb keinesfalls als Empfehlung für den Konsum von Cannabis durch Menschen mit Schizophrenie verstanden werden.

Was lässt sich derzeit über CBD und Schizophrenie sagen?
Die vorgestellten Studien zeigen, dass es sich um ein aktives und sich weiterentwickelndes Forschungsgebiet handelt. Einige vorläufige Ergebnisse werden von der wissenschaftlichen Fachwelt als interessant angesehen und sollten in weiteren, größeren Untersuchungen überprüft werden.
Derzeit liegen jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür vor, CBD als wirksame Behandlung oder als Alternative zu einer etablierten psychiatrischen Therapie anzusehen.
Menschen mit Schizophrenie sollten die Empfehlungen ihres behandelnden Psychiaters befolgen. Eine laufende Behandlung darf niemals eigenständig verändert, reduziert oder abgesetzt werden.
Wer sich allgemein näher über CBD informieren möchte, findet auf unserer Website weitere Informationsartikel. Bei einer psychiatrischen Diagnose oder während einer medikamentösen Behandlung sollte die mögliche Verwendung eines CBD-Produkts in jedem Fall vorher mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.









