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Sativex und Multiple Sklerose

20 Februar 2026 um 2:06 p.m.
Lesezeit: 11 min

Wenn Multiple Sklerose selbst die einfachsten Bewegungen im Alltag zur Herausforderung macht, rückt ein Thema ganz nach vorne: Linderung.

Muskelspastik betrifft bei MS mehr als 80 % der Betroffenen: eine Steifheit, die Bewegungen blockiert, nächtliche Krämpfe, die den Schlaf zerhacken, Schmerzen, die bei jedem Schritt “mitlaufen”.

Lange Zeit waren die verfügbaren Therapien für viele Patientinnen und Patienten unbefriedigend. Dann kam Sativex – ein standardisiertes Arzneimittel auf Cannabinoidbasis, das speziell bei MS-bedingter Spastik eingesetzt wird.

Sativex ist ein Oromukosalspray mit zwei Wirkstoffen aus Cannabis sativa: Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) im Verhältnis 1:1. Wichtig: Das ist nicht “gerauchtes Cannabis” und auch keine selbst gemischte Zubereitung, sondern ein geprüftes, standardisiertes Medikament mit definiertem Wirkstoffgehalt und klinischer Datenlage.

Für viele Menschen mit moderater bis schwerer Spastik, die auf klassische Antispastika nicht ausreichend ansprechen, kann Sativex ein echter Therapieversuch sein – allerdings mit klaren Kriterien, klarer Verlaufskontrolle und realistischen Erwartungen.

Wie wirkt Sativex? Es greift in das Endocannabinoid-System ein – ein Netzwerk von Rezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem, das unter anderem Muskeltonus, Schmerzverarbeitung, Schlaf und Entzündungsprozesse mitreguliert.

Zu verstehen, wann Sativex verordnet wird, wie die Dosiseinstellung funktioniert und welche Effekte (und Nebenwirkungen) typisch sind, kann den Unterschied machen zwischen sinnvoller Symptomkontrolle und der nächsten Enttäuschung.

Was ist Multiple Sklerose und warum verursacht sie Spastik?

Die Multiple Sklerose ist eine chronische Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems.

Das Immunsystem richtet sich – aus noch nicht vollständig geklärten Gründen – gegen die Myelinscheide, also die schützende Hülle der Nervenfasern.

Durch diese Demyelinisierung wird die Weiterleitung elektrischer Signale zwischen Gehirn und Körper gestört oder unterbrochen.

Da Läsionen an unterschiedlichen Stellen im Gehirn, Rückenmark oder am Sehnerv entstehen können, sind die Symptome extrem variabel.

Manche Betroffene erleben vor allem Sehstörungen, andere Gefühlsstörungen, wieder andere Probleme mit Gleichgewicht und Koordination. Die Diagnose wird häufig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gestellt, kann aber grundsätzlich in jedem Alter auftreten.

Es gibt verschiedene Verlaufsformen: die schubförmig-remittierende MS mit Schüben und Erholungsphasen sowie progressive Formen (primär oder sekundär), die eher durch eine schrittweise Verschlechterung geprägt sind. Unabhängig vom Verlauf tritt Spastik mit fortschreitender Erkrankung häufig auf.

Spastik bedeutet: der Muskeltonus ist krankhaft erhöht. Muskeln fühlen sich steif, “fest” und schwer kontrollierbar an. Bewegungen laufen gegen Widerstand, als würde jemand von außen dagegenhalten. Dazu kommen unwillkürliche Kontraktionen und schmerzhafte Krämpfe, die Sekunden oder Minuten dauern können. Nachts kann das richtig brutal sein: Man wird immer wieder durch Krämpfe wach. Gehen kostet Kraft, Selbstständigkeit nimmt ab, Hilfsmittel werden plötzlich nötig.

Klassische Antispastika wie Baclofen, Tizanidin oder Dantrolen helfen vielen – aber nicht allen. Manche vertragen sie schlecht (z. B. starke Müdigkeit, Schwindel, übermäßige Muskelschwäche, Leberprobleme). Andere erreichen trotz optimierter Dosierung keine ausreichende Wirkung. Genau in diesen therapieresistenten Situationen kommt Sativex als Option ins Spiel.

Wie wirkt Sativex?

Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Regulationssystem, das in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht wurde.

Es nutzt vor allem zwei Rezeptortypen: CB1 und CB2. CB1-Rezeptoren sitzen überwiegend im zentralen Nervensystem und beeinflussen unter anderem Bewegung, Schmerz, Gedächtnis und Appetit. CB2-Rezeptoren kommen häufiger in Immunzellen und peripheren Geweben vor und sind an Entzündungs- und Immunprozessen beteiligt.

Der Körper stellt eigene Botenstoffe her, die Endocannabinoide (z. B. Anandamid und 2-AG), die an diese Rezeptoren binden und das Gleichgewicht im Nervensystem mitsteuern. Vereinfacht gesagt: Wird über CB1 die Freisetzung bestimmter erregender Neurotransmitter gedämpft, kann das die neuronale Überaktivität reduzieren – also genau das, was bei unwillkürlichen Muskelkontraktionen eine Rolle spielt. Wenn du es genauer willst, hier erklären wir ausführlich, wie CBD auf den menschlichen Körper wirkt.

Das Endocannabinoid-System einfach erklärt

Das in Sativex enthaltene THC wirkt als partieller Agonist an CB1-Rezeptoren. Es “imitiert” damit körpereigene Endocannabinoide und verstärkt deren dämpfenden Effekt auf überaktive Nervenbahnen, die den Muskeltonus beeinflussen. CBD bindet nicht in gleicher Weise direkt an CB1/CB2, wirkt aber über indirekte Mechanismen – und kann zugleich einige unerwünschte THC-Effekte abmildern.

Das Verhältnis 1:1 von THC zu CBD ist nicht zufällig. Studien deuten darauf hin, dass beide Substanzen synergistisch wirken: CBD kann psychotrope Nebenwirkungen von THC (z. B. Angst, Herzrasen, kognitive Veränderungen) abschwächen und trotzdem den therapeutischen Nutzen erhalten [1].

Genau dieses “Gleichgewicht” ist der Grund, warum viele Patientinnen und Patienten eine Muskelentspannung spüren, ohne ein starkes Rauschgefühl wie beim Freizeitkonsum.

Ein wichtiger Punkt: Sativex kann Spastik verbessern, ohne zwangsläufig eine deutliche Muskelschwäche auszulösen. Klassische Antispastika entspannen oft eher “global” und nehmen damit manchmal auch die Kraft, die man fürs Gehen oder gezielte Bewegungen braucht. Cannabinoide scheinen stärker über die Modulation der neuronalen Übererregbarkeit zu wirken, während Grundkraft und willkürliche Motorik weniger “abgeschaltet” werden.

Wenn du Sativex besser von frei verkäuflichen Produkten abgrenzen willst, lies gern den Beitrag über den Unterschied zwischen CBD-Blüten und medizinischem Cannabis.

Die wissenschaftliche Datenlage

Die Forschung zu Nabiximols (Sativex) bei MS-Spastik läuft seit den frühen 2000er-Jahren.

Eine Meta-Analyse aus 2010 bündelte drei randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 666 MS-Patientinnen und -Patienten [2]. Unter Nabiximols zeigte sich eine durchschnittliche Spastikreduktion von −1,30 Punkten (Skala 0–10), unter Placebo −0,97. Der Unterschied (−0,32) wirkt auf Papier klein, kann im Alltag aber relevant sein, wenn Spastik jeden Schritt zur Qual macht.

Eine Phase-III-Studie nutzte ein sogenanntes “Enriched-Design” [3]: Zuerst erhielten alle Sativex, und nur diejenigen, die in den ersten vier Wochen mindestens 20 % Verbesserung erreichten, wurden anschließend randomisiert (weiter Sativex vs. Placebo). Unter den Respondern hielten 74 % den Nutzen unter Sativex, gegenüber 46 % unter Placebo.

Auch Real-World-Daten stützen das Bild. In einer deutschen multizentrischen Beobachtung mit 335 Betroffenen berichteten nach einem Monat 74,6 % eine Besserung bei therapieresistenter Spastik [4]. Der mittlere NRS-Wert sank von 6,1 auf 5,2. Bei jenen mit ≥20 % Verbesserung lag die durchschnittliche Reduktion bei rund 40 %. Nach drei Monaten setzten 55,3 % die Therapie fort, mit stabilen Effekten.

Was sich durch viele Untersuchungen zieht: Etwa 40–50 % erreichen eine klinisch relevante Antwort. Deshalb wird in der Praxis sehr häufig ein vierwöchiger Therapieversuch mit klarer Verlaufskontrolle genutzt. Wenn nach etwa einem Monat keine objektivierbare Verbesserung sichtbar ist, wird die Behandlung normalerweise beendet – genau um unnötige Langzeittherapien ohne Nutzen zu vermeiden.

Interessant: Die Effekte gehen oft über die reine Spastik hinaus. In Studien wurden auch Verbesserungen bei neuropathischem Schmerz, Schlafqualität, Blasenbeschwerden und nächtlichen Krämpfen beschrieben [5]. Daraus entstand das Konzept einer “Spasticity-plus”-Symptomatik, weil sich begleitende Beschwerden manchmal gemeinsam bessern.

Wer kann Sativex bekommen und wie wird es verordnet?

Sativex ist nicht für jede Person mit MS gedacht. Der Einsatz orientiert sich in der Regel an einem klaren Rahmen: Erwachsene mit moderater bis schwerer MS-bedingter Spastik, die auf andere antispastische Therapien nicht ausreichend angesprochen haben.

In Deutschland ist Sativex verschreibungspflichtig und wird ärztlich verordnet – meist durch Neurologinnen und Neurologen, die MS regelmäßig behandeln. Vor dem Einsatz werden in der Regel etablierte Optionen wie Baclofen oder Tizanidin (oder entsprechende Kombinationen) geprüft und optimiert.

Wichtig ist die dokumentierte Verlaufskontrolle: Spastik wird häufig mit standardisierten Skalen erfasst, und es wird nach einem definierten Zeitraum bewertet, ob eine relevante Besserung erreicht wird. Genau diese “Stop-or-Go”-Logik schützt Patientinnen und Patienten davor, lange etwas zu nehmen, das am Ende nichts bringt.

Zu den klaren Gegenanzeigen zählen in der Praxis vor allem: Überempfindlichkeit gegen Inhaltsstoffe sowie bestimmte schwere psychiatrische Erkrankungen in der Vorgeschichte (z. B. Psychosen). Eine MS-assoziierte Depression ist nicht automatisch ein Ausschlusskriterium, muss aber ärztlich sauber eingeordnet werden. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Sativex in der Regel nicht eingesetzt. Menschen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung eine zuverlässige Verhütung nutzen.

Besondere Vorsicht ist sinnvoll bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenproblemen sowie bei früherem Substanzmissbrauch. THC kann Puls und Blutdruck beeinflussen, und der Abbau der Wirkstoffe erfolgt überwiegend über die Leber – deshalb ist eine individuelle ärztliche Bewertung hier wichtig.

Außerdem: Sativex kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Gerade in der Einstellungsphase ist es üblich, nicht Auto zu fahren. Auch später müssen manche Betroffene wegen Schwindel oder Müdigkeit vorsichtig bleiben. Das sollte immer individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

So wird das Oromukosalspray angewendet

So wird Sativex angewendet

Sativex ist ein Spray in einer 10-ml-Flasche. Ein Sprühstoß (100 Mikroliter) enthält 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD. Eine Flasche umfasst 90 Sprühstöße.

Vor der Anwendung wird die Flasche kräftig geschüttelt. Gesprüht wird in die Mundhöhle, idealerweise an wechselnde Stellen: Innenseite der Wange, unter die Zunge, Gaumen. Das Wechseln der Sprühstelle ist wichtig, um lokale Reizungen der Mundschleimhaut zu vermeiden. Nicht sofort schlucken: Das Spray sollte etwa 30–60 Sekunden im Mund bleiben, damit die Aufnahme über die Schleimhaut erfolgen kann.

Die Dosis wird individuell eingeschlichen. Häufig startet man mit einem Sprühstoß am Abend für 2–3 Tage. Wenn das gut vertragen wird, kommt ein Sprühstoß am Morgen dazu. Danach wird schrittweise gesteigert, meist alle 2–3 Tage um einen Sprühstoß, mit ausreichenden Abständen zwischen den Sprühstößen (oft mindestens 15 Minuten), verteilt über den Tag.

Ziel ist die kleinste Dosis, die spürbar hilft, ohne störende Nebenwirkungen. In klinischen Studien lag die mittlere Tagesdosis bei etwa 8 Sprühstößen. Manche kommen mit 4–5 aus, andere benötigen 10–12. Als Obergrenze gelten 12 Sprühstöße in 24 Stunden. Mehr erhöht das Nebenwirkungsrisiko, ohne zwingend mehr Nutzen zu bringen.

Viele Betroffene passen die Verteilung im Alltag an: mehr am Abend, wenn Spastik nachts schlimmer wird, oder gleichmäßig über den Tag. Manche nutzen einzelne zusätzliche Sprühstöße vor Aktivitäten, die mehr Beweglichkeit erfordern. Diese Flexibilität ist ein Vorteil gegenüber manchen Tablettenregimen.

Zur Aufbewahrung: Ungeöffnet wird Sativex in der Regel kühl gelagert. Nach dem Öffnen ist es über einen begrenzten Zeitraum bei Raumtemperatur nutzbar (bitte die Packungsangaben beachten). Es ist sinnvoll, das Datum der ersten Anwendung zu notieren.

Nebenwirkungen und Langzeitsicherheit

Die häufigsten Nebenwirkungen in den ersten Wochen sind Schwindel und Müdigkeit. In Beobachtungsdaten wurden sie bei einem spürbaren Anteil der Patientinnen und Patienten berichtet [4]. Die gute Nachricht: Meist sind sie mild bis moderat und lassen nach einigen Tagen nach – besonders, wenn die Dosis langsamer gesteigert wird.

Mögliche weitere Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit, Übelkeit, trockener Mund, Durchfall oder Verstopfung, verschwommenes Sehen, Konzentrationsprobleme. Seltener können Stimmungsschwankungen, Unruhe, Reizbarkeit oder Desorientierung auftreten. Auch Herzrasen oder orthostatische Probleme (Schwindel beim Aufstehen) sind möglich, vor allem zu Beginn.

Lokale Reizungen der Mundschleimhaut sind häufiger, wenn man immer an derselben Stelle sprüht. Manche empfinden den Geschmack als unangenehm oder anhaltend. Ein vorsichtiges Ausspülen mit Wasser nach einigen Minuten kann helfen.

Ein beruhigender Punkt aus Langzeitbeobachtungen: Sativex zeigt keine typische körperliche Abhängigkeit und keine stark ausgeprägte Toleranzentwicklung. Viele Betroffene bleiben über Monate oder Jahre bei vergleichbaren Dosierungen, ohne ständig steigern zu müssen. In Daten über längere Anwendung wurden stabile Effekte beschrieben [6]. Nach dem Absetzen sind in der Regel keine klassischen Entzugssymptome zu erwarten.

Das kardiovaskuläre Sicherheitsprofil gilt insgesamt als solide, erfordert aber bei bestehenden Herzerkrankungen besondere Aufmerksamkeit. THC kann Puls und Blutdruck beeinflussen, deshalb ist langsames Aufstehen und ein wachsames Auge auf Schwindel sinnvoll.

Was die Kognition betrifft: In neuropsychologischen Untersuchungen wurden bei therapeutischen Dosierungen über längere Zeiträume keine ausgeprägten, dauerhaften Verschlechterungen der Gedächtnisleistung festgestellt. Das 1:1-Verhältnis von THC und CBD könnte hier eine “ausgleichende” Rolle spielen.

Wechselwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Sativex kann mit anderen Medikamenten interagieren. Die Wirkstoffe werden vor allem über das CYP450-Enzymsystem der Leber metabolisiert. Hemmstoffe dieses Systems (z. B. bestimmte Antimykotika oder Antibiotika) können die Blutspiegel erhöhen und damit Wirkung und Nebenwirkungen verstärken. Enzyminduktoren (z. B. bestimmte Antiepileptika) können die Spiegel senken und die Wirkung abschwächen.

Besondere Vorsicht ist sinnvoll, wenn zusätzlich sedierende Medikamente eingenommen werden – etwa Benzodiazepine, Opioide oder bestimmte Antidepressiva – oder wenn Alkohol im Spiel ist. Die Kombination kann Müdigkeit, Reaktionsverlangsamung und kognitive Einschränkungen verstärken. Das bedeutet nicht automatisch “verboten”, aber es braucht engere ärztliche Begleitung und manchmal Dosisanpassungen.

Viele Menschen mit MS nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig: verlaufsmodifizierende Therapien, Schmerzmittel, Mittel gegen Blasenprobleme, Antidepressiva oder Antikonvulsiva. Daher sollte die behandelnde Neurologie jede mögliche Interaktion individuell prüfen.

Alkohol sollte während der Behandlung eher gemieden oder zumindest klar reduziert werden. Beide Substanzen wirken dämpfend auf das Nervensystem, und die Kombination erhöht das Risiko für Stürze, Unfälle und starke Müdigkeit.

Rauchen kann den Abbau von Wirkstoffen beeinflussen. Bei manchen Menschen kann das dazu führen, dass die Wirkung anders ausfällt und Dosen anders “sitzen”. Das gehört ebenfalls in die ärztliche Gesamtabwägung.

Aktuelle Forschung und neue Ansätze

Die Forschung zu Cannabinoiden bei MS entwickelt sich weiter. Untersucht werden unter anderem: bessere Dosierungsstrategien, Biomarker zur Vorhersage, wer gut anspricht, mögliche neuroprotektive Effekte sowie Anwendungen bei anderen Formen von Spastik (z. B. nach Rückenmarksverletzungen).

Einige Studien prüfen, ob minor cannabinoids wie CBG oder CBN die Wirkung ergänzen könnten. Andere Teams arbeiten an neuen Darreichungsformen: transdermale Systeme für gleichmäßige Wirkstoffspiegel, modifizierte Kapseln oder alternative Applikationswege für Menschen, die ein Mundspray schlecht vertragen.

Ein besonders spannender Bereich sind mögliche neuroprotektive Eigenschaften von Cannabinoiden. In Tiermodellen gibt es Hinweise, dass THC und CBD Prozesse der Neurodegeneration beeinflussen und Remyelinisierung unterstützen könnten. Sollten sich solche Effekte beim Menschen bestätigen, würde das den Blick auf Cannabinoide verändern: weg von rein symptomatisch, hin zu potenziell krankheitsmodifizierend. Noch ist das aber Forschung, keine gesicherte klinische Realität.

Auch Technologie spielt eine Rolle: Digitale Symptomtagebücher und Monitoring können helfen, Dosis, Wirkung und Nebenwirkungen sauberer zu dokumentieren. Perspektivisch könnten Algorithmen individualisierte Vorschläge liefern, basierend auf persönlichen Musterverläufen.

Ein weiterer Trend ist die Kombination mit robotikgestützter Rehabilitation. Erste Daten deuten darauf hin, dass Cannabinoidtherapie plus intensives Training bessere Resultate liefern kann als Training allein [7]. Die Idee: Weniger Spastik kann die Übungsqualität verbessern – und das Training macht den Nutzen im Alltag “haltbarer”.

Kosten, Zugang und Erstattung in Deutschland

Sativex ist ein teures Medikament. Die tatsächlichen Kosten hängen von Packung, Versorgung und Abgabestrukturen ab, im Alltag ist das ohne Erstattung für die meisten Betroffenen keine realistische Dauerlösung.

In Deutschland kann die Kostenübernahme grundsätzlich über die gesetzliche Krankenversicherung erfolgen, wenn die medizinischen Kriterien erfüllt sind und die Verordnung im vorgesehenen Rahmen erfolgt. In der Praxis ist dafür meist eine saubere Dokumentation nötig: Diagnose, Ausprägung der Spastik, Vorbehandlungen, und der nachweisbare Nutzen im Therapieversuch.

Der organisatorische Ablauf kann je nach Region und Versorgungssystem unterschiedlich sein. Häufig läuft es über die neurologische Praxis beziehungsweise MS-Ambulanz, mit dokumentierter Verlaufskontrolle und Folgeverordnungen, sofern ein relevanter Nutzen besteht. Bei Fragen zur individuellen Erstattung ist die behandelnde Praxis in der Regel der beste erste Ansprechpartner, weil sie die lokalen Abläufe kennt.

Wenn jemand die Kriterien nicht erfüllt oder der Nutzen unter der geforderten Schwelle bleibt, wird manchmal über andere Optionen nachgedacht, darunter auch ärztlich verordnete Cannabisarzneimittel oder Rezepturen. Welche Alternative medizinisch sinnvoll ist, muss immer individuell entschieden werden.

Und wenn Sativex nicht ausreicht?

Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten erreicht mit Sativex keine klinisch relevante Verbesserung oder bricht wegen Nebenwirkungen ab. Dann lohnt sich ein nüchterner Blick auf Alternativen – denn es gibt mehrere Wege.

  • Botulinumtoxin-Injektionen in besonders betroffene Muskeln können lokale Spastik für 3–4 Monate reduzieren. Das ist vor allem sinnvoll, wenn einzelne Muskelgruppen stark dominieren (z. B. Adduktoren, Wadenmuskulatur, Fingerflexoren).
  • Eine intrathekale Baclofenpumpe ist eine Option bei schwerer, ausgeprägter Spastik. Dabei wird Baclofen direkt in den Liquorraum abgegeben. Das kann sehr wirksam sein, ist aber invasiv und erfordert regelmäßige Kontrolle und Wartung.
  • Physiotherapie bleibt die Basis nichtmedikamentöser Behandlung: regelmäßiges Dehnen, Mobilisation, Entspannungstechniken, Wassertherapie, Orthesen – oft macht genau diese Kombination den größten Unterschied im Alltag.
  • Neurostimulation (z. B. TMS oder funktionelle Elektrostimulation) wird in kleineren Studien untersucht und kann in bestimmten Konstellationen helfen, die motorische Übererregbarkeit zu modulieren.
  • Andere Cannabinoid-Formen wie Inhalation per Vaporizer oder ölige Rezepturen werden teils ärztlich eingesetzt. Sie können schneller wirken oder flexibler dosierbar sein, besitzen aber nicht automatisch die gleiche Standardisierung und Studiendichte wie Sativex. Daher werden sie häufig als zweite oder dritte Linie betrachtet.

CBD-Öle als Unterstützung bei MS-Symptomen

CBD-Öl wird häufig als natürliche Unterstützung bei Schmerzen eingesetzt.

Neben Sativex, das verschreibungspflichtig ist und klaren medizinischen Kriterien folgt, nutzen manche Menschen mit MS frei erhältliche CBD-Öle ergänzend – etwa bei leichteren Schmerzen, Anspannung oder zur Unterstützung am Abend.

Im Unterschied zu Sativex (THC:CBD 1:1) enthalten CBD-Öle in der Regel kein THC oder nur minimale Spuren. Sie sind daher normalerweise ohne Rezept erhältlich. Auf Crystalweed findest du verschiedene Konzentrationen (5 %, 10 %, 20 %, 30 %) als Full Spectrum oder Broad Spectrum.

Einige bevorzugen Produkte, die CBD mit anderen Cannabinoiden wie CBG oder CBN kombinieren, um eine ergänzende, “rundere” Wirkung für den Abend zu erreichen – je nach individueller Empfindlichkeit.

Wichtig ist aber: Diese Produkte ersetzen weder Sativex noch eine neurologisch verordnete Therapie. Wenn du CBD als Ergänzung nutzen willst, ist es sinnvoll, das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu besprechen – gerade, wenn du mehrere Medikamente einnimmst oder empfindlich auf sedierende Effekte reagierst.

Wissenschaftliche Quellen

  • [1] Russo M, Calabrò RS, Naro A, et al. (2015). "Sativex in the management of multiple sclerosis-related spasticity: role of the corticospinal modulation". Neural Plasticity, 2015:656582.
  • [2] Wade DT, Collin C, Stott C, Duncombe P. (2010). "Meta-analysis of the efficacy and safety of Sativex (nabiximols), on spasticity in people with multiple sclerosis". Multiple Sclerosis, 16(6):707-714.
  • [3] Novotna A, Mares J, Ratcliffe S, et al. (2011). "A randomized, double-blind, placebo-controlled, parallel-group, enriched-design study of nabiximols (Sativex), as add-on therapy, in subjects with refractory spasticity caused by multiple sclerosis". European Journal of Neurology, 18(9):1122-1131.
  • [4] Flachenecker P, Henze T, Zettl UK. (2014). "Nabiximols (THC/CBD oromucosal spray, Sativex) in clinical practice--results of a multicenter, non-interventional study (MOVE 2) in patients with multiple sclerosis spasticity". European Neurology, 71(5-6):271-279.
  • [5] Garde N, Heibel M. (2024). "Effect of nabiximols oromucosal spray (Sativex) on symptoms associated with multiple sclerosis-related spasticity: a case series". Drugs in Context, 13:2023-10-1. 
  • [6] Notcutt W, Langford R, Davies P, Ratcliffe S, Potts R. (2012). "A placebo-controlled, parallel-group, randomized withdrawal study of subjects with symptoms of spasticity due to multiple sclerosis who are receiving long-term Sativex (nabiximols)". Multiple Sclerosis, 18(2):219-228. 
  • [7] Russo M, Dattola V, Logiudice AL, et al. (2017). "The role of Sativex in robotic rehabilitation in individuals with multiple sclerosis: Rationale, study design, and methodology". Medicine (Baltimore), 96(46):e8826.

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