Reishi gehört zu den Vitalpilzen, die besonders häufig im Zusammenhang mit der nächtlichen Erholung besprochen werden. Viele Menschen beschäftigen sich mit diesem Pilz, wenn sie zwar schlafen, sich am Morgen aber trotzdem nicht richtig erholt fühlen. Typisch sind ein leichter Schlaf, häufiges Aufwachen in der zweiten Nachthälfte und eine Müdigkeit am Morgen, die sich noch über Stunden hinziehen kann. Oft tritt dieses Bild in Phasen auf, in denen Stress, berufliche Belastung oder ein dauerhaft angespannter Alltag eine Rolle spielen. Nicht immer wird dieser Zusammenhang sofort erkannt, obwohl gerade innere Unruhe und ein überlastetes Nervensystem die Schlafqualität deutlich beeinflussen können.
Wenn Ganoderma lucidum, so der wissenschaftliche Name des Reishi, regelmäßig eingenommen wird und gleichzeitig bestimmte Gewohnheiten im Alltag angepasst werden, können mögliche Veränderungen der wahrgenommenen Schlafqualität schrittweise entstehen. Reishi wird deshalb nicht als Mittel mit sofortiger Einschlafwirkung beschrieben. Vielmehr wird der Pilz wegen seines möglichen Zusammenhangs mit abendlicher Entspannung, dem inneren Gleichgewicht und natürlichen nächtlichen Regenerationsprozessen untersucht.
Ein Pilz mit langer Tradition und moderner Forschung
Reishi ist einer der bekanntesten Pilze aus der asiatischen Tradition. Gleichzeitig gehört er zu den Vitalpilzen, bei denen die moderne Forschung verschiedene biologische Mechanismen genauer untersucht hat. Gerade diese Verbindung aus traditioneller Verwendung und heutiger wissenschaftlicher Betrachtung macht Ganoderma lucidum interessant. In der traditionellen chinesischen Kultur wurde Reishi über viele Jahrhunderte mit Langlebigkeit, Wohlbefinden und geistiger Klarheit in Verbindung gebracht. In der Forschung wird heute vor allem untersucht, welche Inhaltsstoffe des Pilzes mit bestimmten Prozessen im Körper in Beziehung stehen könnten.
Ganoderma lucidum ist ein Pilz mit einer glänzenden, fast lackartig wirkenden Oberfläche und einer rotbraunen Farbe. Er wächst vor allem auf Laubholz und ist in Ostasien seit langer Zeit bekannt. Als Speisepilz eignet er sich allerdings kaum, denn seine Struktur ist hart und holzig, der Geschmack sehr bitter. Deshalb wird Reishi traditionell nicht wie ein normaler Speisepilz verwendet, sondern meist in Form von Dekokten, Pulvern oder Extrakten. Genau diese Darreichungsformen sind auch in der heutigen Forschung besonders relevant.
Im Bereich der Vitalpilze nimmt Reishi eine besondere Stellung ein. Das liegt daran, dass er vor allem im Zusammenhang mit dem Nervensystem, dem Immunsystem und der Stressreaktion untersucht wird. Der Zusammenhang zwischen Reishi und Schlaf sollte deshalb nicht wie bei einem klassischen Schlafmittel verstanden werden. Es geht eher um ein breiteres Thema: die Unterstützung des inneren Gleichgewichts und die Qualität der nächtlichen Erholung über einen längeren Zeitraum.
Triterpene und Polysaccharide im Zusammenhang mit Erholung
Reishi enthält eine Vielzahl bioaktiver Verbindungen. In der Forschung wurden mehr als vierhundert unterschiedliche Inhaltsstoffe beschrieben. Zwei Stoffgruppen werden besonders häufig erwähnt, wenn es um Schlaf, Entspannung und Erholung geht: Triterpene und Polysaccharide.
Die erste Gruppe sind die sogenannten ganoderischen Triterpene. Dabei handelt es sich um komplexe, bitter schmeckende Verbindungen, die Ganoderma lucidum in relevanter Menge bildet. Sie wurden unter anderem wegen ihrer möglichen Interaktion mit Mechanismen des zentralen Nervensystems untersucht. Dazu gehört auch die GABAerge Modulation, die in präklinischen Modellen beschrieben wurde [1].
Die zweite Gruppe sind Polysaccharide, darunter vor allem Beta-Glucane. Diese werden besonders häufig im Zusammenhang mit dem Immunsystem und niedriggradigen Entzündungsprozessen untersucht. Solche Prozesse können auch dann eine Rolle spielen, wenn es um anhaltenden Stress, körperliche Belastung und eine weniger erholsame Nacht geht [2].
Wird ein gut standardisierter Extrakt aus Ganoderma lucidum regelmäßig eingenommen und gleichzeitig die abendliche Belastung durch Bildschirmlicht, spätes Arbeiten oder dauerhafte Reizüberflutung reduziert, können mögliche Veränderungen Zeit brauchen. Das passt zu dem Forschungsansatz, nach dem Reishi nicht als schnelle Lösung zum Einschlafen betrachtet wird, sondern als Vitalpilz, der im Zusammenhang mit mehreren Ebenen der nächtlichen Erholung untersucht wird: der Aktivität des Nervensystems am Abend, der Stressreaktion und bestimmten Schlafparametern, die bisher vor allem in präklinischen Studien beobachtet wurden.

GABA und Adenosin: 2 Mechanismen im Zusammenhang mit Reishi und Erholung
Der mögliche Zusammenhang zwischen Reishi und Schlaf lässt sich besser verstehen, wenn man zwei Mechanismen betrachtet, die in Studien immer wieder eine Rolle spielen: GABA und Adenosin. Viele Menschen fragen sich, ob Reishi ähnlich wie ein Schlafmittel wirkt oder ob direkt nach den ersten Einnahmen ein Effekt zu erwarten ist. Diese Erwartung passt jedoch nicht gut zu dem, was bisher untersucht wurde.
GABA steht für Gamma-Aminobuttersäure. Es handelt sich dabei um den wichtigsten hemmenden Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Vereinfacht gesagt ist GABA an Prozessen beteiligt, mit denen das Gehirn seine Aktivität reguliert und den Körper auf Ruhe vorbereitet. Triterpene aus Ganoderma lucidum wurden in Studien wegen ihrer möglichen Interaktion mit GABAergen Mechanismen untersucht. In Tiermodellen verlängerte ein Ganoderma-Extrakt die Dauer des NREM-Schlafs, ohne die REM-Phasen zu verändern [1].
Der zweite Mechanismus betrifft Adenosin. Diese Substanz sammelt sich während der Wachphasen im Gehirn an und gilt als wichtiges Signal für zunehmende Müdigkeit. Je länger man wach ist, desto stärker steigt normalerweise der sogenannte Schlafdruck. Bestimmte Verbindungen aus Reishi wurden im Zusammenhang mit der enzymatischen Verarbeitung von Adenosin untersucht. Dieser Mechanismus ist besonders interessant, wenn Stress, gedankliche Anspannung oder innere Unruhe den Übergang vom Wachsein zur Ruhe erschweren [3].
Eine Studie an Ratten zeigte, dass die Gabe von Ganoderma lucidum-Extrakt über drei aufeinanderfolgende Tage die Gesamtschlafzeit und die Dauer des NREM-Schlafs im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant verlängerte. Die Forschenden führten diese Veränderungen unter anderem auf die Interaktion zwischen ganoderischen Triterpenen und GABAergen Rezeptoren zurück [2].
Ein weiterer Forschungsansatz, der 2024 in Frontiers in Pharmacology veröffentlicht wurde, untersuchte einen Sporenextrakt aus Ganoderma lucidum in einem Tiermodell für kognitive Beeinträchtigungen. Dabei wurden Veränderungen bestimmter Schlafparameter beschrieben. Die Ergebnisse wurden mit entzündungsbezogenen Prozessen und der Modulation der Neurotransmission in Hirnarealen in Verbindung gebracht, die an der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt sind [4].
Reishi als Adaptogen: der Zusammenhang zwischen Stress und Schlaf
Der Zusammenhang zwischen länger anhaltendem Stress und Schlafqualität ist vielen Menschen aus dem Alltag bekannt. Man schläft über längere Zeit gut, und plötzlich beginnt man, mitten in der Nacht aufzuwachen. Manchmal gibt es dafür keinen offensichtlichen Grund. Bei genauerem Hinsehen fällt diese Veränderung aber häufig mit einer intensiven Arbeitsphase, privaten Belastungen oder einer Zeit zusammen, in der das Nervensystem dauerhaft angespannt ist.
Reishi wird häufig als Adaptogen eingeordnet. Damit sind Substanzen gemeint, die im Zusammenhang mit der Anpassungsfähigkeit des Körpers in Stressphasen untersucht werden. Bei Reishi wird dieser Ansatz unter anderem mit der möglichen Modulation stressbezogener Signale am Abend verbunden. Das ist besonders relevant, wenn der natürliche Rhythmus zwischen Cortisol, Melatonin und Tiefschlaf weniger ausgeglichen erscheint [3].
Eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte klinische Studie von Tang und Kollegen aus dem Jahr 2005 untersuchte Personen mit Neurasthenie. Dabei handelt es sich um ein Beschwerdebild, das unter anderem mit chronischer Erschöpfung, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Veränderungen der Erholung verbunden sein kann. Nach acht Wochen Einnahme eines Polysaccharid-Extrakts aus Ganoderma lucidum wurden signifikante Veränderungen der berichteten Schlafqualität und des allgemeinen Wohlbefindens dokumentiert. Statistisch signifikante Unterschiede zur Placebogruppe zeigten sich ab der vierten Woche und entwickelten sich in den folgenden Wochen weiter [5].
Dieser zeitliche Verlauf passt zu einem adaptogenen Ansatz. Reishi wird nicht mit einem sofortigen hypnotischen Effekt gleichgesetzt. Mögliche Veränderungen treten eher schrittweise auf, weil der Pilz im Zusammenhang mit mehreren miteinander verbundenen Bereichen untersucht wird: Stressreaktion, GABAerge Signalübertragung und niedriggradige Entzündungsprozesse.
Wie man das passende Reishi-Präparat auswählt
Die Auswahl des richtigen Extrakts ist einer der wichtigsten Punkte. Viele Menschen nehmen Reishi einige Wochen ein und merken kaum eine Veränderung. Häufig liegt das nicht unbedingt am Reishi selbst, sondern an der Qualität des verwendeten Produkts. Entscheidend ist, ob der Extrakt ausreichend standardisiert ist und ob die relevanten Inhaltsstoffe transparent angegeben werden.
Hochwertige adaptogene Vitalpilze lassen sich vor allem anhand von drei Kriterien besser einschätzen: der Herkunft des Extrakts, also ob er aus dem Fruchtkörper oder aus dem Myzel gewonnen wurde, dem Gehalt an ganoderischen Triterpenen in Prozent und dem Gehalt an Polysacchariden. Ein Produkt, das nur die Menge an Pilzpulver angibt, ohne die Konzentration der bioaktiven Verbindungen zu nennen, lässt sich deutlich schwerer beurteilen.
Extrakte aus dem Fruchtkörper enthalten tendenziell eine höhere Konzentration an Triterpenen als reine Myzel-Extrakte. Dieser Unterschied ist gerade beim Thema Erholung interessant, weil ganoderische Triterpene zu den Verbindungen gehören, die im Zusammenhang mit GABAergen Mechanismen und der abendlichen Stressreaktion untersucht werden. In den verfügbaren Studien wurden unterschiedliche Dosierungen verwendet, häufig im Bereich zwischen 1000 und 3000 mg standardisiertem Extrakt pro Tag. Mögliche wahrnehmbare Veränderungen der Schlafqualität wurden meist nach einem Zeitraum von mehreren Wochen beschrieben, oft zwischen drei und acht Wochen.
Wer die Zusammensetzung genauer prüfen und die Standardisierung bewerten möchte, findet die entsprechenden Angaben auf der Produktseite der Reishi-Kapseln. In der Literatur beschriebene unerwünschte Effekte sind selten und betreffen vor allem leichte Magen-Darm-Beschwerden in den ersten Wochen. Personen, die gerinnungshemmende Medikamente oder Immunsuppressiva einnehmen, sollten vor der Einnahme mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin sprechen, da einzelne Bestandteile von Reishi auch im Zusammenhang mit Blutgerinnung und Immunaktivität untersucht wurden.









