Kurz gesagt: Bisher gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass CBD Menschen dabei hilft, dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören. Eine kleine Pilotstudie aus dem Jahr 2013 beobachtete zwar, dass Personen mit einem CBD-Inhalator innerhalb einer Woche rund 40 % weniger Zigaretten rauchten. An der Untersuchung nahmen jedoch nur 24 Menschen teil. Außerdem wurde nicht nachgewiesen, dass sie langfristig rauchfrei blieben [1].
Weitere Studien liefern einzelne interessante Hinweise, aber noch keinen Wirksamkeitsnachweis. Eine umfangreiche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 kommt sogar zu dem Ergebnis, dass CBD allein derzeit nicht als wirksame Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen angesehen werden kann [5].
CBD ist daher kein anerkanntes Mittel zur Raucherentwöhnung und sollte bewährte Behandlungen nicht ersetzen. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, kann sich in Deutschland ärztlich beraten lassen und auf wissenschaftlich geprüfte Entwöhnungsprogramme, Nikotinersatzpräparate oder geeignete verschreibungspflichtige Medikamente zurückgreifen.
Dieser Artikel erklärt, woher das Interesse an CBD beim Rauchstopp stammt, was die bisherigen Untersuchungen tatsächlich gezeigt haben und welche Besonderheiten Menschen in Deutschland beachten sollten.
Warum ist es so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören?

Nikotin erreicht das Gehirn schon wenige Sekunden nach dem Einatmen des Tabakrauchs. Dort beeinflusst es das Belohnungssystem und fördert unter anderem die Ausschüttung von Dopamin. Das kann kurzfristig als angenehm, anregend oder entspannend empfunden werden.
Bei regelmäßigem Konsum passt sich der Körper an die wiederholte Nikotinzufuhr an. Bleibt sie aus, können Reizbarkeit, innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, gesteigerter Appetit und ein starkes Verlangen nach einer Zigarette auftreten.
Hinzu kommt die erlernte Verhaltenskomponente. Viele Menschen verbinden das Rauchen mit bestimmten Situationen: dem ersten Kaffee am Morgen, einer Arbeitspause, dem Essen, einem Telefonat oder einem stressigen Moment. Dadurch können alltägliche Abläufe selbst nach dem körperlichen Entzug weiterhin den Wunsch nach einer Zigarette auslösen.
Ein Rückfall bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jemand zu wenig Willenskraft besitzt. Tabakabhängigkeit ist eine anerkannte Abhängigkeitserkrankung, bei der körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken.
Welche Methoden helfen nachweislich beim Rauchstopp?
Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis, Lutschtabletten und Sprays führen dem Körper Nikotin kontrolliert zu, ohne ihn gleichzeitig dem Rauch einer Tabakzigarette auszusetzen. Sie können Entzugserscheinungen lindern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dauerhaft rauchfrei zu werden.
Auch bestimmte Medikamente können eine Tabakentwöhnung unterstützen. Welche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem von der Stärke der Abhängigkeit, bestehenden Erkrankungen, anderen Medikamenten und früheren Entwöhnungsversuchen ab.
In Deutschland können gesetzlich Versicherte mit einer ärztlich festgestellten schweren Tabakabhängigkeit unter bestimmten Voraussetzungen Medikamente mit Nikotin oder Vareniclin als Kassenleistung erhalten. Voraussetzung ist die Teilnahme an einem evidenzbasierten Programm zur Tabakentwöhnung [8].
Unterstützung bietet außerdem das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit über das unabhängige Portal rauchfrei-info.de und die kostenfreie Telefonberatung unter 0800 8 31 31 31 [9].
Ergänzend interessieren sich manche Menschen für Atemübungen, Bewegung, Entspannungstechniken und andere natürliche Ansätze rund um den Rauchstopp. Solche Maßnahmen können den persönlichen Umgang mit Stress oder Verlangensattacken erleichtern, ersetzen aber keine medizinisch empfohlene Behandlung.
Was ist CBD und warum wird es bei Abhängigkeit untersucht?
Cannabidiol, kurz CBD, ist ein natürlicher Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Im Gegensatz zu THC verursacht CBD keinen typischen Cannabisrausch. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Stoff grundsätzlich wirkungslos oder frei von Risiken ist.
CBD beeinflusst verschiedene biologische Signalwege. Dazu gehören Bestandteile des Endocannabinoid-Systems und weitere molekulare Zielstrukturen, die unter anderem an Stressreaktionen, Stimmung, Schlaf und der Verarbeitung von Belohnungsreizen beteiligt sind.
CBD bindet nicht auf dieselbe Weise an die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 wie THC. Seine Wirkmechanismen sind komplex und bisher nicht vollständig geklärt. Untersuchungen beschäftigen sich unter anderem mit indirekten Effekten auf das Endocannabinoid-System und mit Wechselwirkungen am Serotoninrezeptor 5-HT1A.
Aus diesen möglichen Wirkungen entstand die Hypothese, dass CBD einzelne Prozesse beeinflussen könnte, die bei Abhängigkeit und Rückfällen eine Rolle spielen. Dazu zählen die Reaktion auf suchtbezogene Reize, Stress und erlernte Verknüpfungen. Eine biologisch nachvollziehbare Hypothese ist jedoch noch kein Beweis für eine therapeutische Wirkung.
Was zeigte die kleine CBD-Studie aus dem Jahr 2013?

Die häufig zitierte Untersuchung wurde 2013 von Forschenden des University College London veröffentlicht. Daran nahmen 24 Personen teil, die mit dem Rauchen aufhören wollten. Zwölf erhielten einen Inhalator mit CBD, die übrigen zwölf einen Placebo-Inhalator [1].
Die Teilnehmenden sollten den Inhalator eine Woche lang verwenden, sobald sie das Bedürfnis nach einer Zigarette verspürten. Jede Anwendung des CBD-Inhalators gab 400 Mikrogramm CBD ab.
In der CBD-Gruppe sank die Zahl der gerauchten Zigaretten während dieser Woche um etwa 40 %. In der Placebogruppe wurde keine vergleichbare Veränderung beobachtet [1].
Das klingt zunächst deutlich, erlaubt aber keine Aussage darüber, ob CBD Menschen beim dauerhaften Rauchstopp hilft. Die Untersuchung war sehr klein, dauerte lediglich sieben Tage und erfasste in erster Linie die Anzahl der gerauchten Zigaretten. Eine langfristige Abstinenz wurde nicht nachgewiesen.
Auch das subjektiv empfundene Verlangen nach Zigaretten unterschied sich am Ende nicht eindeutig zwischen den Gruppen. Der oft wiederholte Satz, CBD habe in einer Studie 40 % der Teilnehmenden vom Rauchen befreit, wäre daher falsch. Gemessen wurde eine durchschnittliche Verringerung des Zigarettenkonsums innerhalb einer einzigen Woche.
Eine zweite Studie fand weniger Aufmerksamkeit für Zigarettenreize
Eine weitere kleine Humanstudie aus dem Jahr 2018 untersuchte nicht den langfristigen Rauchstopp, sondern die unmittelbare Reaktion auf Bilder und Reize, die mit Zigaretten verbunden waren [2].
Abhängige Raucherinnen und Raucher erhielten nach einer nächtlichen Rauchpause entweder einmalig 800 Milligramm CBD oder ein Placebo. Nach der CBD-Einnahme wurden Zigarettenreize als weniger auffällig und weniger angenehm bewertet.
Das akute Verlangen nach einer Zigarette und die Entzugssymptome wurden durch CBD jedoch nicht erkennbar reduziert [2]. Auch diese Untersuchung liefert deshalb keinen Nachweis dafür, dass CBD die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Rauchstopps erhöht.
Was zeigen die Untersuchungen an Tieren?
In einer 2024 in Neuropharmacology veröffentlichten Studie verringerte CBD bei Mäusen die selbstständige Aufnahme von Nikotin. Die Tiere arbeiteten nach der Verabreichung von CBD seltener für eine Nikotindosis. Auch bestimmte körperliche Entzugsanzeichen fielen schwächer aus [3].
Tierstudien sind nützlich, um mögliche Wirkmechanismen zu untersuchen und neue Forschungsfragen zu entwickeln. Ihre Ergebnisse lassen sich aber nicht direkt auf Menschen übertragen. Dosierung, Stoffwechsel, Verhalten und Versuchsbedingungen unterscheiden sich erheblich vom alltäglichen Tabakkonsum eines Menschen.
Die Untersuchung an Mäusen stärkt somit die Begründung für weitere klinische Studien, bestätigt aber keine Wirksamkeit beim Menschen.
Was sagen die großen Übersichtsarbeiten?
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 wertete Untersuchungen zu CBD und verschiedenen Substanzkonsumstörungen aus. Die damaligen Ergebnisse deuteten auf ein mögliches therapeutisches Potenzial bei Nikotin-, Cannabis- und Opioidabhängigkeit hin. Die Autorinnen und Autoren betonten jedoch, dass die Datenlage dünn sei und deutlich mehr Humanstudien benötigt würden [4].
Eine umfangreichere Analyse wurde 2025 in der Fachzeitschrift Addiction veröffentlicht. Sie untersuchte systematische Übersichtsarbeiten über CBD allein sowie über Kombinationen aus CBD und THC bei unterschiedlichen Abhängigkeitserkrankungen [5].
Das Ergebnis fällt wesentlich zurückhaltender aus: CBD als alleinige Behandlung erscheint nach der derzeit verfügbaren Evidenz nicht wirksam gegen Substanzkonsumstörungen. Besser erkennbare Effekte fanden die Forschenden hauptsächlich bei Präparaten, die CBD und THC kombinierten und zur Behandlung einer Cannabisabhängigkeit untersucht wurden [5].
Diese Erkenntnisse dürfen nicht auf Tabakabhängigkeit übertragen werden. Ein THC-haltiges Medikament gegen Beschwerden bei einer Cannabisabhängigkeit ist etwas anderes als ein handelsübliches CBD-Produkt, das beim Rauchstopp verwendet werden soll.
Wer Schwierigkeiten hat, seinen Cannabiskonsum zu kontrollieren, findet in unserem Beitrag über den Umgang mit einer Cannabisabhängigkeit weitere Informationen. Bei Kontrollverlust, Entzugssymptomen oder psychischen Beschwerden sollte eine ärztliche oder suchtmedizinische Beratungsstelle einbezogen werden.
Welche neue CBD-Studie läuft derzeit in den USA?
Unter der Kennnummer NCT06218056 ist eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-2-Studie registriert. Sie soll untersuchen, ob CBD den Zigarettenkonsum bei Menschen mit einer Tabakkonsumstörung beeinflusst [6].
Geplant sind etwa 120 Teilnehmende. Untersucht wird eine experimentelle orale CBD-Formulierung mit einer Tagesdosis von 800 Milligramm. Als Vergleich dient ein Placebo. Neben Angaben zum Rauchverhalten soll unter anderem der Cotininspiegel im Blut erfasst werden.
Die Studie befand sich im August 2026 noch in der Rekrutierungsphase. Veröffentlichte Ergebnisse lagen nicht vor. Daraus folgt auch, dass die Untersuchung zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen über Wirksamkeit oder Sicherheit im Rahmen einer Raucherentwöhnung erlaubt.
Die eingesetzte Studienmedikation darf außerdem nicht mit gewöhnlichen CBD-Ölen aus dem Onlinehandel gleichgesetzt werden. Dosierung, Zusammensetzung, Qualitätskontrolle und medizinische Überwachung unterscheiden sich deutlich.
Was gilt für CBD-Produkte in Deutschland?

Für Menschen in Deutschland ist die Produktkategorie besonders wichtig. Die Bezeichnung „CBD-Öl“ sagt allein noch nicht aus, wie ein Produkt verwendet werden darf.
CBD-haltige Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel besitzen in Deutschland derzeit keine Zulassung als neuartige Lebensmittel. Nach Auffassung der zuständigen Behörden sind sie ohne eine entsprechende Novel-Food-Zulassung nicht verkehrsfähig [7].
Manche CBD-Öle werden deshalb als Aromaöl, Kosmetikprodukt oder technisches Produkt angeboten. Eine solche Kennzeichnung ist keine Nebensache: Produkte, die nicht für den Verzehr vorgesehen sind, dürfen weder geschluckt noch unter die Zunge gegeben werden.
Wer sich über Zusammensetzung, Kennzeichnung und Qualitätsmerkmale informieren möchte, findet in unserem Bereich über CBD-Öl weitere Produktinformationen. Verwendet werden sollte ein Produkt ausschließlich entsprechend seiner angegebenen Zweckbestimmung.
CBD wird außerdem als Wirkstoff in zugelassenen Arzneimitteln eingesetzt. Ein Beispiel ist das verschreibungspflichtige Medikament Epidyolex für bestimmte seltene Epilepsieformen. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine medizinische Wirksamkeit handelsüblicher CBD-Produkte ableiten. Für die Behandlung der Nikotinabhängigkeit ist in Deutschland kein CBD-Arzneimittel zugelassen.
Worauf sollte man bei CBD-Produkten achten?
Wer sich unabhängig vom Rauchstopp mit einem CBD-Produkt beschäftigt, sollte mindestens auf folgende Punkte achten:
- Klare Produktkategorie: Auf der Verpackung muss erkennbar sein, wofür das Produkt vorgesehen ist und wie es verwendet werden darf.
- Chargenbezogenes Analysezertifikat: Die Analyse sollte zum konkreten Produkt und zur angegebenen Charge gehören.
- Nachvollziehbarer CBD- und THC-Gehalt: Die gemessenen Werte sollten mit der Produktbeschreibung übereinstimmen und die geltenden rechtlichen Vorgaben erfüllen.
- Vollständige Herstellerangaben: Verantwortliches Unternehmen, Anschrift, Charge und weitere Pflichtinformationen müssen überprüfbar sein.
- Keine Heilversprechen: Aussagen, ein frei verkauftes CBD-Produkt könne Nikotinabhängigkeit, Angststörungen, Schlafprobleme oder andere Erkrankungen behandeln, sind ein Warnsignal.
CBD kann Nebenwirkungen verursachen und den Abbau anderer Arzneimittel beeinflussen. Mögliche Folgen sind Müdigkeit, Durchfall, Veränderungen des Appetits und Wechselwirkungen mit Medikamenten. Bei höheren medizinischen Dosierungen wurden außerdem Veränderungen der Leberwerte beobachtet [7].
Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, an einer Erkrankung leiden, schwanger sind oder stillen, sollten CBD nicht ohne ärztliche Rücksprache verwenden.
Sind CBD-Blüten eine sinnvolle Alternative zur Zigarette?
CBD-Blüten werden teilweise geraucht oder verdampft. Für jemanden, der sich das Rauchen abgewöhnen möchte, ist diese Konsumform aus mehreren Gründen problematisch.
Das Rauchen von Pflanzenmaterial erzeugt Verbrennungsprodukte und belastet die Atemwege. Zugleich bleiben typische Abläufe wie das Drehen, Anzünden und Inhalieren erhalten. Dadurch kann das erlernte Rauchritual weiter gefestigt werden, obwohl keine herkömmliche Tabakzigarette konsumiert wird.
CBD-Blüten sind deshalb keine wissenschaftlich anerkannte Methode zur Tabakentwöhnung. Wer sowohl die Nikotinabhängigkeit als auch das Rauchritual überwinden möchte, sollte mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Beratungsstelle über geeignete Alternativen sprechen.
Kann CBD nun beim Rauchstopp helfen?
Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es noch nicht, und die bisherigen Daten reichen für eine Empfehlung nicht aus.
Die Pilotstudie von 2013 beobachtete eine kurzfristige Verringerung des Zigarettenkonsums, umfasste aber nur zwölf Personen in der CBD-Gruppe. Eine zweite kleine Studie fand Veränderungen bei der Wahrnehmung von Zigarettenreizen, jedoch keine deutliche Wirkung auf Verlangen oder Entzug. Positive Ergebnisse aus Tierversuchen sind nicht automatisch auf Menschen übertragbar.
Die umfassendere Auswertung aus dem Jahr 2025 liefert keinen überzeugenden Nachweis für CBD als alleinige Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen. Die laufende amerikanische Studie könnte neue Informationen bringen, hat aber noch keine Ergebnisse veröffentlicht.
Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte sich daher nicht auf CBD verlassen. Eine Kombination aus professioneller Beratung, einem strukturierten Entwöhnungsprogramm und einer individuell geeigneten medikamentösen Unterstützung bietet derzeit die wesentlich besser untersuchte Grundlage.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.









