CBD und Neurodermitis
Neurodermitis gehört zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Typisch sind trockene, empfindliche Haut, wiederkehrende Ekzeme und teilweise starker Juckreiz. Viele Betroffene suchen deshalb neben der ärztlich empfohlenen Behandlung nach ergänzenden Möglichkeiten für die tägliche Hautpflege. In diesem Zusammenhang wird auch Cannabidiol, kurz CBD, zunehmend untersucht.
Die bisherige Forschung liefert erste Hinweise darauf, dass äußerlich angewendetes CBD bestimmte Eigenschaften trockener, gereizter und zu Juckreiz neigender Haut positiv beeinflussen könnte. Die Datenlage ist jedoch noch begrenzt. Kleine Teilnehmergruppen, unterschiedliche Formulierungen und fehlende Kontrollgruppen erschweren eine eindeutige Bewertung.
Um die Ergebnisse richtig einzuordnen, muss zunächst verstanden werden, wie Neurodermitis entsteht, welche Behandlungen in Deutschland empfohlen werden und welchen Platz ein kosmetisches CBD-Produkt innerhalb dieser Versorgung einnehmen kann.
Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis ist die in Deutschland gebräuchliche Bezeichnung für die atopische Dermatitis beziehungsweise das atopische Ekzem. Es handelt sich um eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens in Schüben verläuft.
In Deutschland erkranken ungefähr 15 % der Kinder an Neurodermitis. Bei Erwachsenen liegt der Anteil bei etwa 2 bis 5 %. Die Erkrankung beginnt häufig im Säuglings- oder Kindesalter, kann aber bis ins Erwachsenenleben fortbestehen oder erstmals später auftreten.
Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig treten trockene Haut, Rötungen, Schuppung, entzündete Hautstellen und intensiver Juckreiz auf. Bei manchen Menschen bleiben die Symptome auf wenige Körperregionen begrenzt, während bei anderen größere Hautflächen betroffen sind.
Neurodermitis tritt außerdem häufig zusammen mit anderen atopischen Erkrankungen auf, etwa allergischem Asthma, Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien. Eine mögliche Abfolge dieser Erkrankungen wird als atopischer Marsch bezeichnet. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Kind mit Neurodermitis später zwangsläufig Asthma oder Allergien entwickelt.
Wie entsteht Neurodermitis?

Bei Neurodermitis wirken mehrere Faktoren zusammen. Besonders wichtig sind eine geschwächte Hautbarriere, eine fehlregulierte Immunantwort und Veränderungen des Hautmikrobioms. Diese Prozesse beeinflussen sich gegenseitig und können einen Kreislauf aus Trockenheit, Entzündung und Juckreiz entstehen lassen.
1. Eine geschwächte Hautbarriere
Die äußerste Schicht der Haut wird als Hornschicht bezeichnet. Sie besteht aus Hornzellen, die in eine Matrix aus Ceramiden, Fettsäuren und Cholesterin eingebettet sind. Zusammen bilden sie eine Schutzbarriere, die den Wasserverlust begrenzt und das Eindringen von Reizstoffen, Allergenen und Mikroorganismen erschwert.
Bei Neurodermitis ist diese Barriere häufig beeinträchtigt. Eine wichtige Funktion übernimmt das Strukturprotein Filaggrin. Veränderungen im FLG-Gen können die Bildung oder Funktion von Filaggrin vermindern. Dadurch verliert die Haut leichter Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf äußere Einflüsse.
Eine gestörte Hautbarriere ist allerdings nicht bei allen Betroffenen ausschließlich genetisch bedingt. Auch Entzündungsbotenstoffe können die Bildung wichtiger Barriereproteine und Hautlipide reduzieren. Die Barriereprobleme und die Entzündung können sich deshalb gegenseitig verstärken.
2. Eine fehlregulierte Immunantwort
Bei der atopischen Dermatitis ist besonders während eines akuten Schubs eine verstärkte Th2-Immunantwort zu beobachten. Botenstoffe wie IL-4, IL-13 und IL-31 tragen zur Entzündung, zur Schwächung der Hautbarriere und zum Juckreiz bei.
Diese Erkenntnisse haben die moderne Neurodermitistherapie deutlich verändert. Arzneimittel wie Dupilumab oder Tralokinumab greifen gezielt in bestimmte Signalwege ein. Auch systemische JAK-Inhibitoren können bei geeigneten Patientinnen und Patienten eingesetzt werden. Solche Behandlungen gehören in fachärztliche Hände und sind vor allem für mittelschwere bis schwere Verläufe vorgesehen.
3. Veränderungen des Hautmikrobioms
Gesunde Haut wird von einer vielfältigen Gemeinschaft aus Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen besiedelt. Dieses Hautmikrobiom beteiligt sich am Schutz vor Krankheitserregern und an der lokalen Immunregulation.
Auf entzündeten Hautstellen von Menschen mit Neurodermitis findet sich häufig eine starke Besiedlung mit Staphylococcus aureus. Das Bakterium kann Entzündungsreaktionen verstärken und die Hautbarriere zusätzlich belasten. Ob die veränderte Besiedlung zuerst entsteht oder überwiegend eine Folge der geschädigten Haut ist, lässt sich nicht in jedem Fall eindeutig bestimmen.
Der Juckreiz-Kratz-Kreislauf
Juckreiz gehört zu den belastendsten Symptomen der Neurodermitis. Durch das Kratzen wird die bereits empfindliche Haut weiter verletzt. Dadurch können zusätzliche Entzündungsbotenstoffe freigesetzt werden, während Reizstoffe und Mikroorganismen leichter in die Haut eindringen.
Auf diese Weise entsteht ein Juckreiz-Kratz-Kreislauf. Eine wirksame Behandlung muss deshalb nicht nur die sichtbaren Hautveränderungen berücksichtigen, sondern auch die Hautbarriere stabilisieren, die Entzündung kontrollieren und den Juckreiz verringern.
Ekzem ist nicht gleich Neurodermitis
Im Alltag werden die Begriffe „Ekzem“ und „Neurodermitis“ häufig gleich verwendet. Medizinisch bezeichnet Ekzem jedoch eine Gruppe entzündlicher Hautveränderungen, die unterschiedliche Ursachen haben können.
Die allergische Kontaktdermatitis entsteht durch eine verzögerte Immunreaktion auf einen bestimmten Stoff, beispielsweise Nickel, Duftstoffe oder Konservierungsmittel. Bei einer irritativen Kontaktdermatitis wird die Haut dagegen direkt durch häufiges Waschen, Reinigungsmittel, Lösungsmittel oder andere Reize geschädigt.
Die seborrhoische Dermatitis betrifft meistens die Kopfhaut, das Gesicht oder den Oberkörper und steht unter anderem mit Hefepilzen der Gattung Malassezia in Verbindung. Das nummuläre Ekzem zeigt sich durch runde oder münzförmige Hautstellen. Auch Schuppenflechte, Pilzinfektionen und andere Hauterkrankungen können einem Ekzem ähneln.
Eine dermatologische Diagnose ist daher besonders wichtig, wenn Hautveränderungen erstmals auftreten, sich ausbreiten, nässen, schmerzen, infiziert wirken oder auf die bisherige Pflege nicht reagieren.
Wie wird Neurodermitis in Deutschland behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach dem Alter, der betroffenen Körperregion, dem Schweregrad und dem bisherigen Verlauf. Die deutsche S3-Leitlinie zur atopischen Dermatitis unterscheidet zwischen täglicher Basispflege, äußerlich angewendeten Arzneimitteln, Lichttherapie und systemischen Behandlungen.
Basispflege mit rückfettenden Produkten
Die regelmäßige Basispflege mit geeigneten Cremes, Salben oder Lotionen gehört zu den grundlegenden Maßnahmen. Sie soll den Feuchtigkeitsverlust begrenzen, fehlende Lipide ergänzen und die Hautbarriere unterstützen.
Welche Formulierung geeignet ist, hängt unter anderem vom Hautzustand und von der Jahreszeit ab. Bei sehr trockener Haut werden häufig fettreichere Salben bevorzugt. Auf akut nässenden Stellen können stark okklusive Produkte dagegen ungeeignet sein. Duftstoffe und potenziell reizende Inhaltsstoffe sollten bei empfindlicher Haut möglichst vermieden werden.
Topische Kortikosteroide bei entzündlichen Schüben
Topische Kortikosteroide gehören zur etablierten Behandlung akuter entzündlicher Schübe. Sie sind in unterschiedlichen Wirkstärken erhältlich und werden passend zur betroffenen Körperregion, zum Alter und zum Schweregrad ausgewählt.
Bei fachgerechter Anwendung können sie Entzündungen wirksam reduzieren. Nebenwirkungen treten vor allem bei einer unangemessen langen oder zu starken Anwendung auf empfindlichen Hautstellen auf. Aus Angst vor Kortison eine ärztlich verordnete Therapie eigenständig abzubrechen, kann jedoch dazu führen, dass ein Schub unzureichend behandelt wird.
Calcineurininhibitoren für empfindliche Hautbereiche
Topische Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus und Pimecrolimus sind kortisonfreie entzündungshemmende Arzneimittel. Sie werden häufig im Gesicht, an den Augenlidern, in Hautfalten oder im Rahmen einer längerfristigen proaktiven Behandlung eingesetzt.
Systemische Therapie bei schwereren Verläufen
Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis können Biologika oder oral einzunehmende JAK-Inhibitoren infrage kommen. Zu den in der deutschen Leitlinie berücksichtigten Wirkstoffen gehören unter anderem Dupilumab, Tralokinumab, Abrocitinib, Baricitinib und Upadacitinib. Auswahl, Dosierung und Kontrolle erfolgen durch eine Ärztin oder einen Arzt.
CBD ist in der deutschen S3-Leitlinie keine etablierte Therapie der atopischen Dermatitis. Kosmetische CBD-Produkte können daher höchstens als ergänzende Hautpflege betrachtet werden und ersetzen keine leitliniengerechte Behandlung.
Das Endocannabinoid-System der Haut
Die Haut besitzt ein eigenes Endocannabinoid-System. Dazu gehören körpereigene Botenstoffe, Enzyme und verschiedene Rezeptoren, die unter anderem in Keratinozyten, Talgdrüsenzellen, Immunzellen und sensorischen Nervenfasern vorkommen.
An der Regulation der Haut sind unter anderem CB1-, CB2-, TRPV1- und PPAR-Rezeptoren beteiligt. Das System beeinflusst Prozesse wie Zellwachstum, Talgproduktion, Entzündungsreaktionen, Juckreizempfinden und Barrierefunktion.
CBD bindet nicht einfach stark an CB1 oder CB2, sondern beeinflusst mehrere Signalwege indirekt. Dazu zählen unter anderem TRPV1, bestimmte PPAR-Rezeptoren, serotoninbezogene Signalwege und der Abbau des körpereigenen Endocannabinoids Anandamid.
Diese biologischen Zusammenhänge erklären, weshalb CBD in der dermatologischen Forschung untersucht wird. Ein plausibler Wirkmechanismus beweist allerdings noch nicht, dass ein kosmetisches Produkt Beschwerden bei Neurodermitis zuverlässig verbessert.
CBD bei Neurodermitis: Welche Wirkungen werden untersucht?

Die Forschung zu äußerlich angewendetem CBD bei Neurodermitis konzentriert sich vor allem auf vier Bereiche: Entzündungsprozesse, Juckreiz, Hautfeuchtigkeit und die Wechselwirkung mit Mikroorganismen der Haut.
Möglicher Einfluss auf Entzündungsprozesse
In Zell- und Tiermodellen konnte CBD verschiedene entzündungsbezogene Signalwege beeinflussen. Untersucht wurden unter anderem Veränderungen bei Zytokinen und Immunzellen, die an Hautentzündungen beteiligt sind.
Solche präklinischen Ergebnisse können einen Forschungsansatz begründen. Sie lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf eine handelsübliche Creme und ihre Wirkung beim Menschen übertragen. Konzentration, Trägersubstanz, Eindringtiefe und Zusammensetzung des fertigen Produkts können das Ergebnis erheblich verändern.
Möglicher Einfluss auf Juckreiz
CBD kann mit dem TRPV1-Rezeptor interagieren, der an der Wahrnehmung von Reizen, Schmerz und Juckreiz beteiligt ist. Daraus ergibt sich eine theoretische Grundlage für eine mögliche juckreizlindernde Wirkung.
Die bisherigen klinischen Studien sind jedoch zu klein, um verlässlich zu beurteilen, wie stark ein solcher Effekt ausfällt, welche Konzentration erforderlich wäre und bei welchen Personen er zu erwarten ist.
Hautfeuchtigkeit und Aquaporin-3
Eine 2021 veröffentlichte präklinische Untersuchung befasste sich mit dem Einfluss von CBD auf Aquaporin-3, kurz AQP3. Dieses Protein transportiert Wasser und Glycerin und ist an der Feuchtigkeitsregulation der Haut beteiligt.
In dem Versuch wurde eine einprozentige CBD-Lösung 14 Tage lang auf die Haut haarloser Mäuse aufgetragen. Dabei stieg die AQP3-Expression an und der Wassergehalt der Haut verbesserte sich [4]. Da es sich nicht um eine klinische Studie an Menschen mit Neurodermitis handelte, kann daraus keine gesicherte Wirkung einer CBD-Creme bei atopischer Dermatitis abgeleitet werden.
CBD und Staphylococcus aureus
Laborstudien zeigen, dass CBD und CBG gegen verschiedene grampositive Bakterien aktiv sein und unter bestimmten Versuchsbedingungen auch Biofilme von Staphylococcus aureus beeinflussen können [5].
Diese Ergebnisse stammen überwiegend aus In-vitro-Untersuchungen. Sie bedeuten nicht, dass eine CBD-Kosmetik eine bakterielle Infektion behandeln oder ein medizinisches Antiseptikum beziehungsweise Antibiotikum ersetzen kann. Bei gelblichen Krusten, Eiter, zunehmenden Schmerzen, Fieber oder einer raschen Verschlechterung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Was zeigen klinische Studien zu CBD und atopischer Dermatitis?
In den vergangenen Jahren wurden einige kleine Untersuchungen veröffentlicht. Die Ergebnisse sind interessant, müssen wegen der jeweiligen Studiendesigns aber vorsichtig interpretiert werden.
- Burczyk et al. (2025) – Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology [1]: In dieser Pilotstudie verwendeten neun Erwachsene mit diagnostizierter atopischer Dermatitis acht Wochen lang eine Salbe mit 30 % CBD und 5 % CBG. Erfasst wurden unter anderem Hautfeuchtigkeit, transepidermaler Wasserverlust, Hautrötung, Juckreiz und Lebensqualität. Mehrere Messwerte verbesserten sich. Die Studie hatte jedoch weder eine Placebogruppe noch eine Randomisierung. Zudem enthielt die Salbe neben CBD auch CBG, Hanfsamenöl und eine fettreiche Salbengrundlage. Deshalb kann nicht festgestellt werden, welcher Bestandteil für die beobachteten Veränderungen verantwortlich war. Die sehr hohe CBD-Konzentration ist außerdem nicht mit üblichen Kosmetikprodukten vergleichbar.
- Hakim et al. (2025) – Dermatological Reviews [2]: In einer offenen prospektiven Pilotstudie wendeten 19 Personen mit atopischer Dermatitis eine Creme mit 2 % CBD an. Die tägliche Anwendung erfolgte vier Wochen lang; weitere Bewertungen wurden bis zur achten Woche vorgenommen. Die Teilnehmenden berichteten unter anderem über Verbesserungen bei Hautgefühl, Feuchtigkeit und Erscheinungsbild. Auch klinische Fotografien wurden ausgewertet. Da die Untersuchung offen durchgeführt wurde und keine Placebo- oder Vergleichsgruppe besaß, können Erwartungseffekte, der natürliche Verlauf der Erkrankung und die Wirkung der Cremegrundlage nicht ausgeschlossen werden.
- Prospektive Studie zu einer cannabinoidhaltigen Pflegecreme (2026) – Cosmetics [3]: Untersucht wurden Erwachsene und Kinder mit zu Atopie neigender beziehungsweise empfindlicher Haut. Die Creme wurde 56 Tage lang zweimal täglich angewendet. Es wurden Verbesserungen bei Juckreiz, Trockenheit, Hautbarriere und Lebensqualität beschrieben. Das verwendete Produkt enthielt jedoch nicht ausschließlich CBD, sondern auch einen Extrakt aus Annona cherimola und weitere pflegende Bestandteile. Ohne Kontrollgruppe kann der beobachtete Effekt weder sicher dem CBD noch einem bestimmten Einzelbestandteil zugeschrieben werden.
Zusammengefasst zeigen die Studien mögliche positive Signale, liefern aber noch keinen belastbaren Nachweis dafür, dass CBD Neurodermitis behandelt. Größere randomisierte, placebokontrollierte Studien mit klar definierten CBD-Konzentrationen und standardisierten Formulierungen wären notwendig.
Kosmetikum oder Arzneimittel: Was gilt in Deutschland?
Kosmetische Mittel werden in Deutschland nach der unmittelbar geltenden Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel reguliert. Ein Kosmetikum ist dazu bestimmt, äußerlich mit der Haut oder anderen äußeren Körperteilen in Berührung zu kommen, um sie beispielsweise zu reinigen, zu schützen, zu pflegen oder in einem guten Zustand zu halten.
Ein kosmetisches CBD-Produkt darf daher mit pflegenden Eigenschaften wie „feuchtigkeitsspendend“, „beruhigend“ oder „für trockene und beanspruchte Haut“ beschrieben werden, sofern die Aussagen belegt und nicht irreführend sind.
Es darf dagegen nicht den Eindruck erwecken, Neurodermitis zu heilen, Entzündungen medizinisch zu behandeln oder einen akuten Schub zu stoppen. Solche Aussagen können eine Einstufung als Arzneimittel begründen und setzen eine entsprechende Zulassung voraus.
Auch die bloße Bezeichnung „CBD-Creme“ sagt wenig über die Qualität eines Produkts aus. Entscheidend sind die genaue CBD-Menge, die vollständige INCI-Liste, die Stabilität der Formulierung, die mikrobiologische Sicherheit, mögliche Duft- und Reizstoffe sowie die vorgeschriebene Sicherheitsbewertung des Kosmetikprodukts.
Wie kann eine CBD-Creme bei zu Neurodermitis neigender Haut verwendet werden?
Ein CBD-haltiges Kosmetikum kann allenfalls als ergänzender Bestandteil der Hautpflege eingesetzt werden. Die Anwendung sollte sich am aktuellen Hautzustand orientieren und eine verordnete Therapie nicht ersetzen.
- Zunächst auf einer kleinen Hautstelle testen: Menschen mit Neurodermitis reagieren häufig empfindlich auf neue Inhaltsstoffe. Das Produkt kann zunächst über mehrere Tage auf einer kleinen, nicht akut entzündeten Stelle ausprobiert werden. Treten Brennen, deutliche Rötung, Schwellung oder stärkerer Juckreiz auf, sollte die Anwendung beendet werden.
- Die gesamte Formulierung prüfen: Nicht allein CBD kann eine Reaktion auslösen. Duftstoffe, ätherische Öle, Alkohol, Konservierungsmittel oder Pflanzenextrakte können empfindliche Haut ebenfalls reizen oder eine Kontaktallergie verursachen.
- Nicht auf offene oder infizierte Haut auftragen: Auf stark nässenden, blutenden, aufgekratzten oder offensichtlich infizierten Stellen sollte ein kosmetisches Produkt nicht ohne ärztliche Rücksprache verwendet werden.
- Verordnete Arzneimittel nicht eigenständig ersetzen: Eine CBD-Creme sollte nicht anstelle eines verschriebenen Kortikosteroids, Calcineurininhibitors oder einer systemischen Therapie eingesetzt werden. Auch eine eigenständige Verringerung der Anwendung kann einen Schub verlängern.
- Veränderungen über mehrere Wochen beobachten: Zur Beurteilung können Trockenheit, Juckreiz und Verträglichkeit regelmäßig dokumentiert werden. Fotos unter ähnlichen Lichtbedingungen können ebenfalls helfen. Verschlechtert sich die Haut, sollte das Produkt abgesetzt und die Ursache abgeklärt werden.
Woran erkennt man ein geeignetes Produkt?
Bei empfindlicher und zu Neurodermitis neigender Haut ist eine möglichst übersichtliche Formulierung meistens sinnvoller als eine lange Liste stark duftender Pflanzenextrakte.
Hilfreich sind Angaben zur tatsächlichen CBD-Konzentration, eine vollständige INCI-Liste und eine klare Zweckbestimmung als Kosmetikum. Produkte für empfindliche Haut sollten möglichst ohne Parfüm und ohne unnötige ätherische Öle formuliert sein.
Bezeichnungen wie „Hanfcreme“ oder „Cannabis-Kosmetik“ bedeuten nicht automatisch, dass CBD enthalten ist. Hanfsamenöl besteht hauptsächlich aus Fettsäuren und enthält von Natur aus keine nennenswerte CBD-Menge. Für die Bewertung muss Cannabidiol ausdrücklich in der Inhaltsstoffliste aufgeführt sein.
Ein hoher CBD-Anteil ist ebenfalls nicht automatisch besser. Für Neurodermitis gibt es derzeit keine klinisch bestätigte optimale Konzentration. Eine gute Verträglichkeit und eine geeignete Creme- oder Salbengrundlage können für die tägliche Pflege wichtiger sein als ein besonders hoher Prozentwert.
Wann sollte man eine Hautarztpraxis aufsuchen?
Eine ärztliche Untersuchung ist ratsam, wenn die Diagnose noch nicht gesichert ist, die Hautveränderungen stärker werden oder der Juckreiz den Schlaf erheblich beeinträchtigt.
Auch nässende Stellen, gelbliche Krusten, Eiter, Schmerzen, Fieber, Bläschen oder eine rasche Ausbreitung können auf eine Infektion oder eine andere behandlungsbedürftige Komplikation hinweisen. Bei Veränderungen rund um die Augen oder im Gesicht sollte ebenfalls frühzeitig medizinischer Rat eingeholt werden.
Bei Kindern, in der Schwangerschaft, während der Stillzeit oder bei einer laufenden medikamentösen Neurodermitistherapie sollte die Anwendung neuer Produkte vorab mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Fazit: CBD ist eine mögliche Ergänzung, aber keine Neurodermitistherapie
CBD besitzt mehrere Eigenschaften, die für die dermatologische Forschung interessant sind. Präklinische Untersuchungen beschäftigen sich mit Entzündungsprozessen, Juckreizrezeptoren, Hautfeuchtigkeit und bestimmten Bakterien. Kleine klinische Studien mit CBD-haltigen Cremes oder Salben berichten ebenfalls über Verbesserungen einzelner Hautparameter.
Die Aussagekraft dieser Studien bleibt jedoch begrenzt. Die Teilnehmerzahlen waren klein, Kontrollgruppen fehlten und die untersuchten Produkte enthielten teilweise weitere Wirk- und Pflegestoffe. Ein verlässlicher Nachweis, dass CBD Neurodermitis behandelt oder neue Schübe verhindert, liegt deshalb bisher nicht vor.
Für Menschen in Deutschland bleibt die leitliniengerechte Behandlung maßgeblich: regelmäßige Basispflege, passende entzündungshemmende Arzneimittel bei Schüben und bei schwereren Verläufen eine individuell ausgewählte systemische Therapie.
Eine gut formulierte CBD-Creme kann bei guter Verträglichkeit als zusätzliches Kosmetikum für trockene und beanspruchte Haut ausprobiert werden. Sie sollte weder ärztlich verordnete Medikamente ersetzen noch mit Heilversprechen verbunden werden.
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