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CBD in der Schwangerschaft: Warum du besser darauf verzichten solltest

29 May 2026 um 3:53 pm
Lesezeit: 5 min

Kurz gesagt: CBD wird während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Cannabidiol kann die Plazentaschranke überwinden, in die Muttermilch übergehen und mit dem fetalen Endocannabinoid-System in Kontakt kommen, das an der neurologischen Entwicklung des ungeborenen Kindes beteiligt ist. Kontrollierte klinische Studien am Menschen gibt es aus naheliegenden ethischen Gründen nicht. Die Einschätzung von FDA, EFSA und den wichtigsten europäischen Gesundheitsbehörden ist eindeutig: Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte CBD vermieden werden.

Diese Frage wird mir häufig gestellt, und ich verstehe sehr gut, warum. Übelkeit im ersten Trimester, Schlaflosigkeit, Beckenschmerzen, Ängste während der Schwangerschaft: Das sind reale Beschwerden, manchmal sehr belastend, die Frauen dazu bringen, nach natürlichen Lösungen zu suchen, die sicherer wirken als klassische Medikamente. CBD hat den Ruf, nicht berauschend zu sein und im Allgemeinen gut verträglich zu sein. Auf den ersten Blick scheint es deshalb eine nachvollziehbare Option zu sein. In der Schwangerschaft ist CBD jedoch keine empfehlenswerte Wahl.

Der zentrale Punkt: das Endocannabinoid-System des Fötus

Um zu verstehen, warum CBD in der Schwangerschaft nicht verwendet werden sollte, muss man bei einem biologischen Aspekt anfangen, den viele unterschätzen. Das Endocannabinoid-System ist nicht nur im erwachsenen Organismus vorhanden. Es entwickelt sich bereits sehr früh beim Fötus und ist schon in den ersten Schwangerschaftswochen beteiligt.

CB1-Rezeptoren erscheinen im fetalen Gehirn bereits etwa ab der sechsten Schwangerschaftswoche. Also sehr früh, oft noch bevor viele Frauen überhaupt wissen, dass sie schwanger sind.

Dieses System ist nach dem aktuellen Forschungsstand an der fetalen Neurogenese, der Wanderung von Nervenzellen, der Bildung von Synapsen und der Regulation der Hypothalamus-Hypophysen-Achse beteiligt. Anders gesagt: Es gehört zu den Systemen, die in die Gehirnentwicklung eingebunden sind.

Wenn man von außen eine Substanz wie CBD zuführt, die dieses System beeinflussen kann, bedeutet das, in einen sehr empfindlichen Prozess einzugreifen. Und zwar in einer Phase, in der mögliche Störungen möglichst vermieden werden sollten. Genau das ist der biologische Grundgedanke, noch bevor man überhaupt die verfügbaren Sicherheitsdaten betrachtet.

Was die verfügbaren Studien sagen

Randomisierte klinische Studien mit schwangeren Frauen gibt es nicht, und es ist auch schwer vorstellbar, dass solche Studien durchgeführt werden könnten. Aus ethischen Gründen wäre es sehr problematisch, schwangere Frauen bewusst einer Substanz auszusetzen, für die noch keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen. Die verfügbaren Hinweise stammen daher aus Tierstudien und aus epidemiologischen Beobachtungen bei Cannabiskonsum. Diese Beobachtungen unterscheiden allerdings nicht immer klar zwischen den möglichen Effekten von THC und CBD.

Diese methodische Einschränkung bedeutet aber nicht, dass es keinen Grund zur Vorsicht gibt. Im Gegenteil: Sie bedeutet, dass das Vorsorgeprinzip hier noch stärker gelten sollte.

Aus Tierstudien ergeben sich drei Punkte, die berücksichtigt werden sollten.

  • Der erste Punkt betrifft das männliche Fortpflanzungssystem: Hohe CBD-Dosen, die trächtigen Weibchen verabreicht wurden, wurden mit Veränderungen in der Entwicklung des Fortpflanzungssystems männlicher Föten in Verbindung gebracht [1];
  • Der zweite Punkt betrifft das Geburtsgewicht und das fetale Wachstum: Eine pränatale Exposition gegenüber Cannabinoiden wurde mit einer Verringerung des fetalen Wachstums und einem niedrigen Geburtsgewicht in Verbindung gebracht, mit einem möglichen Anstieg perinataler Risiken [2];
  • Der dritte Punkt, aus meiner Sicht der wichtigste, betrifft die neurologische Entwicklung: Eine pränatale Exposition gegenüber Cannabinoiden wurde in verschiedenen Modellen mit später beobachteten Schwierigkeiten bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Lernen in Verbindung gebracht.

Plazentagängigkeit und Stillzeit

Cannabinoide sind lipophile Moleküle.

Sie haben eine Affinität zu Fettgewebe und können biologische Membranen relativ leicht passieren, einschließlich der Plazentaschranke. Das ist nicht nur eine theoretische Überlegung. Pharmakokinetische Studien haben nach mütterlicher Exposition Cannabinoide im Fruchtwasser und im fetalen Blut nachgewiesen. Der Fötus besitzt jedoch nicht dieselbe Stoffwechselkapazität wie ein Erwachsener, um diese Moleküle zu verarbeiten. Seine Enzymsysteme, einschließlich des Cytochrom-P450-Systems, sind noch unreif.

Auch während der Stillzeit wird die Situation nicht unproblematischer. Die FDA weist darauf hin, dass ein Teil des CBD möglicherweise über die Muttermilch auf das Neugeborene übertragen werden kann. Anandamid ist natürlicherweise in der Muttermilch vorhanden und spielt eine Rolle bei der Regulation von Appetit und Verhalten des Säuglings. Exogenes CBD in dieses noch nicht vollständig eingestellte System einzubringen, ist ein Eingriff, den man nicht ohne mögliche kritische Punkte betrachten sollte.

Infografik zu CBD in der Schwangerschaft

Das Problem möglicher Verunreinigungen

Es gibt noch eine zweite Ebene der Vorsicht. Sie betrifft nicht nur CBD selbst, sondern auch die handelsüblichen Produkte, die CBD enthalten. Der Markt für CBD-Öle ist nicht überall einheitlich reguliert. Unabhängige Analysen haben mehrmals gezeigt, dass Produkte, die als THC-frei deklariert waren, dennoch THC enthalten konnten. In anderen Fällen wurden Rückstände von Pestiziden, Schwermetallen und teilweise bakterielle oder pilzliche Verunreinigungen festgestellt [3].

In der Schwangerschaft kommt die mögliche Exposition gegenüber solchen unerwünschten Stoffen als weiterer Vorsichtsfaktor hinzu. Dieser addiert sich zu den Unsicherheiten, die CBD selbst betreffen. Ein Sicherheitsprofil, das bei einem gesunden Erwachsenen als akzeptabel angesehen werden kann, ist nicht automatisch für einen sich entwickelnden Fötus geeignet.

Wer sich genauer mit den unerwünschten Wirkungen von CBD beschäftigt, sieht schnell, dass viele dieser Aspekte, wie mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und eine mögliche Belastung der Leber bei hohen Dosierungen, in Situationen erhöhter biologischer Empfindlichkeit noch mehr Aufmerksamkeit erfordern.

Die Position der Regulierungsbehörden

Die FDA rät ausdrücklich von der Verwendung von CBD während der Schwangerschaft und Stillzeit ab. Als Gründe nennt sie sowohl das Fehlen ausreichender Sicherheitsdaten als auch einige Hinweise aus präklinischen Studien [1].

Auch die EFSA hat in ihrer Bewertung zu CBD in Nahrungsergänzungsmitteln schwangere und stillende Frauen von einer vorläufigen Sicherheitsbewertung ausgeschlossen. Begründet wird diese Zurückhaltung mit den biologischen Grundlagen, die oben beschrieben wurden [4]. Das ist kein übertriebener bürokratischer Vorsichtsreflex. Es ist eine Position, die zu den derzeit verfügbaren Daten passt.

Was kann man stattdessen tun?

Für viele Beschwerden, die Frauen während der Schwangerschaft dazu bringen, nach CBD zu suchen, gibt es Alternativen, die besser untersucht sind und in dieser besonderen Lebensphase ein klarer dokumentiertes Sicherheitsprofil haben.

Übelkeit im ersten Trimester kann zum Beispiel mit Ingwer in kontrollierten Darreichungsformen besprochen werden, ebenso mit kleinen, häufigen Mahlzeiten und einer angepassten Ernährung. Auch bestimmte Lebensmittel, wie zum Beispiel Birne, können für manche Frauen besser verträglich sein. Schlaflosigkeit kann sich durch einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, weniger Blaulicht am Abend und in manchen Fällen durch Magnesium verbessern, allerdings nach ärztlicher Rücksprache. Ängste während der Schwangerschaft können von Ansätzen wie Achtsamkeit, Atemübungen oder Schwangerschaftsyoga profitieren, die ebenfalls in klinischen Studien untersucht wurden. Beckenschmerzen sollten dagegen immer gynäkologisch oder hebammenfachlich abgeklärt werden, damit die Ursache erkannt wird, bevor irgendeine Behandlung ausprobiert wird.

Die Gesundheit von Frauen in jeder Lebensphase verdient Maßnahmen, die zum jeweiligen Moment passen.

Die Schwangerschaft ist nicht der richtige Kontext, um neue Substanzen auszuprobieren, auch wenn sie natürlich erscheinen. Natürlich bedeutet nicht automatisch sicher. Und diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn zwei Organismen betroffen sind und einer davon noch keine eigene Stimme hat.

Wissenschaftliche Quellen:

  • [1] FDA (2024). What You Should Know About Using Cannabis, Including CBD, When Pregnant or Breastfeeding. U.S. Food and Drug Administration.
  • [2] Allen S. et al. (2024). Cannabidiol Exposure During Rat Pregnancy Leads to Labyrinth-Specific Vascular Defects in the Placenta and Reduced Fetal Growth. Cannabis and Cannabinoid Research.
  • [3] Bonn-Miller M.O. et al. (2017). Labeling Accuracy of Cannabidiol Extracts Sold Online. JAMA, 318(17), 1708–1709.
  • [4] EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (2026). Update of the statement on safety of cannabidiol as a novel food. EFSA Journal.

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